Trainierbarkeit im Alter: Fast Responder vs. Low Responder – und warum „ab 40/60“ noch richtig viel geht 💪🧠🚴♀️🏃♂️🏊♀️
- Alexander Eigner
- vor 18 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Du kennst das: Zwei Athlet:innen trainieren „ähnlich“, eine Person macht schnelle Sprünge – die andere bleibt gefühlt stehen. Und spätestens ab 40+ oder 60+ kommt die nächste Frage dazu: „Geht da überhaupt noch was – bei LT1, LT2, VO₂max, Kraft, Sprint, Reaktion?“
Als Coach (Radsport, Lauf/Trail, Triathlon) sage ich dir: Ja – sehr viel. Aber: anders als mit 25. Und: Nicht jede:r reagiert gleich. Das ist keine Ausrede – das ist Biologie + Lebensrealität + Steuerung.
In diesem Blogpost bekommst du:
✅ den aktuellen wissenschaftlichen Stand (≤10 Jahre)
✅ die Hebel für Master-Athlet:innen (ab ~40 / ab ~60)
✅ sportartspezifische Praxispläne (Rad, Lauf, Trail/Ultra, Tri)
✅ Unterschiede nach Geschlecht & Alter
✅ und: wie du als Athlet:in/Coach das Responder-Thema sauber „testest“ statt zu raten
1) Was nimmt im Alter wirklich ab – und was bleibt überraschend gut trainierbar? 🔬
Alterung betrifft mehrere Systeme gleichzeitig:
zentral: Herz-Kreislauf (z. B. maximaler Puls, Schlagvolumen)
peripher: Muskulatur (Kapillaren, Mitochondrien, Enzyme), Sehnen/Steifigkeit
neuromuskulär: Rekrutierung, Rate of Force Development (Explosivität), Koordination
regenerativ: Schlafqualität, Entzündungs-/Stressantwort, „Recovery bandwidth“
In Master-Athlet:innen sieht man übergreifend:
VO₂max sinkt mit dem Alter meist am deutlichsten – aber bleibt trainierbar, nur ist der „Deckel“ näher.
Schwellenleistung (LT1/LT2) & Ökonomie nehmen oft weniger stark ab als VO₂max – und sind in vielen Fällen sehr gut beeinflussbar.
Kraft (v. a. Maximalkraft) bleibt auch im höheren Alter extrem gut steigerbar – und ist im Ausdauersport ein Performance- und Gesundheitshebel.
Coach-Übersetzung:
Ab 40+ wird „smarter“ wichtiger als „härter“. Ab 60+ wird „Kraft + Gewebe + Konstanz“ zum Gamechanger.

2) LT1, LT2, VO₂max – was ist bei Master-Athlet:innen realistisch? 🚀
LT1 (erste Schwelle) – „Fettstoffwechsel“ ist zu kurz gedacht 🧩
LT1 (bzw. VT1) ist praktisch:
„so schnell/lang, dass du stundenlang stabil bleiben kannst“
viel Anpassung passiert über Mitochondrien, Kapillaren, Fett-/KH-Handling, Ökonomie
LT1 wird bei Master-Athlet:innen oft besser, wenn:
die Umfangskonstanz hoch ist (auch wenn Wochenstunden begrenzt sind)
man zu harte Grundlagen reduziert (viele trainieren „grau“)
man die Energieverfügbarkeit im Blick hat (REDs/Low energy availability ist ein Master-Thema – v. a. bei hoher Alltagslast)
LT2 (zweite Schwelle) – „Race-Engine“ für 20–60 Minuten 🔥
LT2/MLSS/VT2 korreliert je nach Sport stark mit Time-Trial-Leistung. Bei gut trainierten Radfahrer:innen sind Schwellenkonzepte reliabel, aber die Methodik macht riesige Unterschiede (Laktat vs. Ventilation vs. Feldtests).
Praxis-Hebel ab 40+:
weniger „random hart“
mehr strukturiert: 1–2 Qualitätsreize/Woche (Schwelle/VO₂), Rest wirklich easy
VO₂max – trainierbar, aber die Regeneration entscheidet 🫁
Auch im höheren Alter sind VO₂max-Zuwächse möglich (HIIT, „4×4“, kurze VO₂-Intervalle etc.). In älteren Populationen zeigen sich Verbesserungen – aber die Dosis muss zu Schlaf, Stress, Gewebe passen.
3) Kraft, Explosivität, Kraftausdauer, Reaktion – der unterschätzte Master-Hebel ⚡
Warum Kraft ab 40/60 plötzlich „Ausdauertraining“ wird
Höhere Maximalkraft senkt relative Belastung pro Schritt/Pedaltritt
Mehr Sehnen-/Muskeltoleranz → weniger Verletzung, mehr Kontinuität
Bessere Economy (v. a. Laufen/Trail) und oft bessere Sprint-/Antrittsfähigkeit im Rad
Und: In der Literatur ist der Nutzen von Krafttraining für Ausdauerleistung gut belegt – inklusive Meta-Analysen, die z. B. Zeitfahr-/Ökonomieverbesserungen zeigen (je nach Protokoll).
Concurrent Training (Kraft + Ausdauer): Interference – ja, aber steuerbar 🧠
Das „Interference“-Thema ist real – aber:
hängt stark von Timing, Intensitäten, Gesamtstress, Trainingsstatus ab
sex-spezifische Unterschiede sind möglich (Adaptionen unterscheiden sich teils nach Outcome).
Coach-Regel (simpel, aber wirksam):
Kraft & harte Ausdauer am selben Tag nur dann, wenn du es bewusst planst – sonst „verlierst“ du Qualität oder Erholung.
4) Fast / Low / Non Responder: Was bedeutet das wirklich? 🎯
Wichtig: Viele „Non-Responder“-Ergebnisse werden kleiner, wenn man:
mehrere Outcomes betrachtet (z. B. VO₂max und Schwelle und Ökonomie und Kraft)
Messfehler & Tagesform berücksichtigt
Training lang genug laufen lässt (und nicht nur 4 Wochen)
Außerdem: Trainability ist teils genetisch, aber stark kontextabhängig (Schlaf, Stress, Energieverfügbarkeit, Mikroperiodisierung, Regeneration).
Praxisdiagnostik für Coaches:
Wenn VO₂max nicht steigt: Vielleicht steigt LT2 oder Ökonomie
Wenn Schwelle stagniert: Vielleicht fehlt Volumen-Konstanz oder die Grundlage ist „zu hart“
Wenn alles stagniert: häufig Recovery-/Stress-Problem oder zu wenig Progressive Overload
5) Unterschiede nach Geschlecht: besonders relevant ab 40–60 🧬♀️♂️
VO₂max-Trainierbarkeit: Geschlechter-Dimorphismus?
Meta-Analysen zeigen, dass VO₂max-Reaktionen auf Training durch das Geschlecht beeinflusst sein können, abhängig von Studiendesign/Dosis/Population.
Menopause & Training: Praxis trifft Datenlage 🌡️
Bei weiblichen Endurance-Athletinnen (40–60) berichten viele, dass menopausale Symptome Training/Performance beeinflussen (Schlaf, Thermoregulation, Erholung, Mood).
Für Coaches bedeutet das: Belastungssteuerung wird noch wichtiger (und oft individueller).
Zusätzlich gibt es neuere Übersichten, die die Rolle von Östrogen/Herz-Kreislauf-Adaptionen und Timing von Interventionen diskutieren.

6) Sportartspezifische Praxis: Was ist „das richtige Rezept“ ab 40+ / 60+? 🧩
A) Radsport (Straße/TT/Gravel) 🚴
Ziele: LT2/TT-Leistung, Fatigue-Resistance, Sprint/Antritt (je nach Disziplin)
Anfänger (40+):
2–3×/Woche LIT (wirklich locker)
1×/Woche „Tempo/Schwelle light“ (z. B. 2×10–12′)
2× Kraft (Ganzkörper, sauber, moderat)
Amateure (berufstätig, 6–10 h/Woche):
1× Schwelle (z. B. 3×12′ @ LT2- / „sweet spot“-nah)
1× VO₂ (kurz, z. B. 5×3′) – aber nur wenn Schlaf/Stress passt
2× LIT (1 länger, 1 kurz)
1–2× Kraft (schwer + core/hips)
Profis:
sehr hohe LIT-Basis + gezielte Intensitätsblöcke
Kraft periodisiert, sprintspezifisch, neuromuskulär
60+ Fokus:
Kraft & Gewebe zuerst, Intensität „präzise dosiert“ (weniger heroisch, mehr effektiv)
B) Laufsport (5k–Marathon) 🏃
Biomechanik + Gewebe sind hier oft limitierend.
5k/10k (Master):
1× VO₂/Speed (z. B. 12×400m oder 6×2′)
1× Schwelle (z. B. 20–40′ total)
Rest easy + Strides (neuromuskulär!)
2× Kraft (Wade, Hüfte, Rumpf, Hamstrings)
HM/Marathon (Master):
viel LIT + „Marathon-spezifische“ längere steady Abschnitte
Schwelle eher als „Kontinuitätsreiz“ (nicht als Zerstörung)
60+ Fokus:
Laufkilometer so dosieren, dass du konsequent bleibst
Ergänzend: Rad/Indoor als „aerobes Volumen ohne Impact“
C) Trail & Ultratrail ⛰️
Hier entscheidet oft: eccentric load, Downhill-Toleranz, Fuß-/Wadenkomplex, Fueling.
Master-Hebel:
1× „vertikale“ spezifische Einheit (Hike/run uphill)
1× Kraft/Power (Step-ups, Split squats, RDLs, Calf raises)
Downhill progressiv (technisch + dosiert)
60+ Fokus:
Downhill-Progression langsam
Kraft & Fußstabilität „nicht verhandelbar“
D) Triathlon (Sprint–Langdistanz) 🏊🚴🏃
Der Vorteil: du kannst Umfang besser verteilen – der Nachteil: Kombinationsstress.
Sprint/Olympisch: mehr VO₂/Speed-Qualität
70.3/LD: mehr LT1/LT2 + Fueling & „fatigue resistance“
Master-Regel:
Qualität eher auf Rad/Schwimmen „auslagern“, Lauf gesund halten.
7) Beispielwochen (Master-Realität) 🗓️
Amateur 45+, 8–10 h/Woche, Ziel: 70.3 oder Radrennen (dann ohne Lauf bzw. Schwimmen?)
Mo: Kraft (45′) + Mobility (10′)
Di: Rad Schwelle 3×12′ (inkl. Warm-up/Cool-down 75–90′)
Mi: Locker laufen 40–60′ + 6× Strides
Do: Rad VO₂ 5×3′ (60–75′)
Fr: frei / Spaziergang / Schlaf priorisieren 😴
Sa: Langer Ride 2.5–3.5 h (LT1)
So: Koppellauf locker 30–40′ oder Schwimmen easy
60+, Lauf/Trail-Fokus, 5–7 h/Woche
Mo: Kraft (schwer, sauber) 45′
Di: Trail hike/run uphill 60–75′ (aerob)
Mi: Rad easy 60′ (Regeneration)
Do: Schwelle „kontrolliert“ 2×12–15′ (Run oder Rad)
Fr: frei + Mobility
Sa: Long easy (run/hike) 90–150′
So: Kraft (leicht + Power) 30–40′ + Spaziergang
8) Wann lohnt sich persönliches Coaching besonders? 🎯🤝
Gerade bei Master-Athlet:innen entscheidet selten „noch ein Intervall“ – sondern:
Dosierung (Training und Alltagsstress)
Responder-Analyse (welcher Hebel bringt bei dir wirklich was?)
Kraft/Gewebe-Steuerung (verletzungsfrei bleiben = der größte Performance-Booster)
sex-/hormon-sensitive Periodisierung (v. a. 40–60)
Wenn du willst, baue ich bei aecoaching.at genau daraus dein System: Diagnostik, Periodisierung, Kraftintegration, Regenerations-Management – und eine Strategie, die in Job/Familie wirklich funktioniert.
Quellenverzeichnis (≤10 Jahre) 📚
Montero, D., & Díaz-Cañestro, C. (2016). Endurance training and maximal oxygen consumption with ageing. J Physiol. DOI: 10.1113/JP272458
Lazarus, N. R., et al. (2019). Biological age and the effect of physical activity on ageing. Sports Medicine. DOI: 10.1007/s40279-019-01180-z
Riebe, D., et al. (2016). Validity and Reliability of Ventilatory and Blood Lactate Thresholds in Well-Trained Cyclists. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0163389
Delextrat, A., et al. (2024). Six-year follow-up of a world record-breaking master marathon runner. J Appl Physiol. DOI: 10.1152/japplphysiol.00474.2024
Lazarus, N. R., et al. (2016). Master Athletes Are Extending the Limits of Human Endurance. Frontiers in Physiology. DOI: 10.3389/fphys.2016.00613
Forster, M., et al. (2024/2025). HIIT at Home: Enhancing Cardiorespiratory Fitness in Older Adults. Scand J Med Sci Sports. DOI: 10.1111/sms.14694
Fyfe, J. J., et al. (2024). Heavy strength training improves endurance performance (systematic review/meta-analysis). Eur J Appl Physiol. DOI (siehe Paper): 10.1007/s00421-025-06022-7
Schumann, M., et al. (2021/2023). Concurrent training meta-analyses (sex-specific & status effects). Sports Medicine. DOI: 10.1007/s40279-023-01943-9
Kim, H., et al. (2025). Menopausal symptoms influence training/performance in endurance athletes. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0335738
Haykowsky, M. J., et al. (2022). Aging and endurance exercise training adaptations in midlife/older women. J Appl Physiol. DOI: 10.1152/japplphysiol.00798.2022




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