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Laufband vs. draußen 🚀 + Smarttrainer vs. Outdoor 🚴‍♂️

  • Autorenbild: Alexander Eigner
    Alexander Eigner
  • vor 1 Tag
  • 11 Min. Lesezeit

Was bringt dir wirklich mehr – und für wen (Anfänger, Amateur, Profi) passt was?


Radsport • Triathlon • Laufsport (5k–Marathon) • (Ultra)Trailrunning


Mini-Story zum Einstieg 🎬

Es ist Januar. Draußen dunkel, nass, kalt. Du hast 60 Minuten zwischen Job und Familienabend. Du kannst trainieren – aber wo? Laufband? Smarttrainer? Oder doch raus, weil “real life”?

Die ehrliche Antwort als Coach: Beides kann top sein – aber nur, wenn du es passend zu Ziel, Level, Zeitbudget und Kontext steuerst. Und genau da wird’s spannend: Die Wissenschaft zeigt sehr klar, wo Indoor stark ist – und wo es Outdoor nicht ersetzt.



TL;DR – die Kernaussagen ✅


  • Laufband ≠ draußen, aber: die Unterschiede sind oft klein – solange du weißt, was du dort trainierst. Eine große Übersichtsarbeit zeigt: Kinematik/Mechanik kann sich unterscheiden, abhängig von Geschwindigkeit, Erfahrung, Bandtyp etc.

  • Bei flachen Zeitläufen können biomechanische Muster zwischen Laufband und draußen variieren – und das kann für Technik-Feinschliff relevant sein.

  • Beim Thema Steigung: “1% am Band = draußen” ist nicht universell – neuere Arbeiten diskutieren das kritisch.

  • Indoor Radfahren kann sich “härter” anfühlen: Feldtests zeigen teils niedrigere RPE draußen vs. Indoor/Labor.

  • ERG-Mode ist ein mächtiges Tool (Präzision!), aber kann Pacing- und Trittgefühl verfälschen, wenn du es falsch dosierst (mehr dazu unten).

  • Für Berufstätige gilt oft: Indoor ist der Planbarkeit-Boost, Outdoor ist der Skill- & Realitäts-Boost. 💡



Teil 1: Laufen – Laufbandtraining vs. Laufen im Freien 🏃‍♀️🌳


1) Was sagt die Studienlage – wo sind Unterschiede? 🔬

a) Biomechanik & Technik

Eine große systematische Übersicht (Sports Medicine, 2019) beschreibt, dass sich biomechanische Parameter zwischen Laufband und Overground unterscheiden können (u.a. Schrittparameter, Gelenkwinkel, Reaktionskräfte) – je nach Geschwindigkeit, Probandenlevel, Treadmill-Typ und Messmethode.

Neuere Daten (z.B. 5-km Trial) zeigen: bei einem “realistischen” Szenario (5 km all-out) gibt es messbare Unterschiede in einzelnen biomechanischen Variablen. Das ist kein “Laufband ist schlecht”-Urteil – eher ein Hinweis: Band ist nicht 1:1 Wettkampf. 


Coach-Übersetzung:

  • Tempo-/Schwellenarbeit am Band = super reproduzierbar ✅

  • Race-Feeling, Kurven, Wind, Untergrund = draußen unersetzbar ✅

  • Für Trail/Ultra: Downhill-Technik und Trail-spezifische Belastung bekommst du nur draußen.


b) Steigung: Muss es 1% sein? ⛰️

Die “1%-Regel” wird im Coaching gern als Standard verkauft. Neuere Arbeiten zeigen aber: die Empfehlung ist nicht universell, weil Luftwiderstand, Laufstil, Bandkalibrierung, Geschwindigkeit und individuelle Ökonomie reinspielen.

Praxis:

  • Für lockere Z2-Läufe ist 0–1% meist egal.

  • Für Race-spezifische Einheiten (10k–Marathon) lohnt eine individuelle Kalibrierung: Pace/HR/RPE drinnen vs. draußen vergleichen (2–3 Einheiten reichen oft).


c) Thermoregulation & “Indoor fühlt sich härter an” 🥵

Indoor fehlt Wind – das verändert Wärmeabgabe, Herzfrequenzdrift und RPE. Für Ausdauerleistung im Hitzestress gibt es starke Übersichtsarbeiten (Physiol Rev 2021/2020), die klar zeigen: Hitze erhöht physiologische Belastung und kann Performance limitieren – Gegenmaßnahmen wie Cooling sind wirksam. 

Coach-Tipp: Ventilator (groß), leichte Kleidung, ggf. Pre-Cooling/kalte Getränke je nach Einheit.


2) Für wen ist Laufband besonders sinnvoll? 🎯


Anfänger 🟢

Pro: Sicherheit, Planbarkeit, kontrollierte Intensität, weniger “Stress-Variablen”.

Contra: Technik/Koordination für draußen darf nicht komplett fehlen.

Empfehlung: 1–2 Bandläufe/Woche + 1 Outdoor-Lauf (wenn möglich).

  • Z2-Lauf am Band (30–50 min)

  • Kurze Technik-Strides draußen (6×10–15 s locker schnell)


Amateure 🟠 (Job/Familie, 6–12 h/Woche)

Pro: Zeitfenster nutzen, Qualität sichern.

Contra: Gefahr: zu “steril” – Race-Feeling fehlt.

Empfehlung: Band für Qualität, Outdoor für Spezifität.

  • 1× Band-Schwelle (z.B. 3×10 min @ T)

  • 1× Outdoor locker + 6×20 s Strides

  • Long Run draußen, wann immer möglich


Profis 🔴

Band ist ein Tool für präzises Monitoring und kontrollierte Reize – aber Outdoor bleibt Spezifität.Empfehlung: Band gezielt (z.B. Winterblocks, Hitze-/Höhensimulation), draußen für Technik/Ökonomie im realen Setting.



3) Laufband vs. Draußenlaufen: Was ändert sich biomechanisch wirklich? 🏃‍♂️🌲 vs 🏃‍♀️🏠


A) „Wer bewegt wen?“ – Selbstvortrieb vs. Band zieht Bein nach hinten


Beim Draußenlaufen erzeugst du Vortrieb über aktive „Push“-Mechanik gegen den Boden (inkl. Brems- und Vortriebsanteilen).

Beim motorisierten Laufband bewegt sich das Band unter dir – dadurch verändern sich v. a. horizontale Kräfte (Braking/Propulsion) und teilweise die Timing-Strategie deiner Beinmuskulatur.

  • Eine große Übersichtsarbeit zeigt: Viele Parameter sind ähnlich, aber kinetische/kinematische Details (v. a. horizontale Kräfte, bestimmte Gelenkmomente) können abweichen – abhängig von Speed, Erfahrung, Bandtyp.

  • Eine aktuelle 5-km-Analyse fand ebenfalls systematische Unterschiede (u. a. bei Kinetik/„Pronation metrics“ und Variabilität).


Praktisch: Je „präziser“ dein Trainingsziel (z. B. Ökonomie, Lauftechnik, muskuläre Robustheit), desto wichtiger sind diese Unterschiede.


B) Schrittvariabilität & „Mikro-Propriozeption“: Draußen ist „lauter“ 🧠🦶


Draußen laufen heißt: kleine Tempowechsel, Mini-Kurven, Mikro-Anpassungen durch Boden, Wind, visuelle Reize. Das erzeugt mehr Variabilität – und Variabilität ist nicht nur „Störung“, sondern auch Motor-Lernen.

  • Bei Overground wird oft mehr Schrittzeit-Variabilität beobachtet als am Laufband; das hängt auch mit neuromuskulärer Aktivierung/Regulation zusammen.

  • „Motor modules“ (Muskel-Synergien) können zwischen Laufband und Overground leicht anders organisiert sein – also nicht nur Mechanik, sondern Steuerung im Nervensystem.


Praktisch (Coach-Hack):Wenn du viel Laufband machst (z. B. Winter/Hitze/Alltag), plane 1–2×/Woche draußen bewusst „technikvariabel“: kurze Steigerungen, unterschiedliche Untergründe, leichte Kurven, kleine Tempospiele.


C) Muskelaktivität: nicht „komplett anders“, aber „anders genug“ 🧩


Spannend ist, dass neuere Arbeiten stärker auf EMG schauen (und auf unterschiedliche Bandtypen).

  • Eine Studie verglich Muskelaktivität beim Overground vs. auf verschiedenen Laufbändern und fand Unterschiede, je nach Setup.


Praktisch: Wenn du „Reha/Return to run“ machst oder zu Problemen der Achillessehne/Wade neigst: Laufband kann helfen (kontrollierter), aber du brauchst trotzdem später den Overground-Transfer.


D) Luftwiderstand & Thermik: draußen oft „gratis Kühlung“ 🌬️


Draußen ist die Konvektion meist höher → geringere thermische Belastung bei gleicher Leistung. Indoor am Band: schneller „schwitzig“, Puls driftet früher (bei gleicher Pace).



Teil 2: Rad – draußen fahren vs. Indoor am Smarttrainer 🚴‍♂️💻

1) Was sagt die Forschung: Indoor ist nicht einfach “gleich”


a) Pacing & Variabilität

Eine Studie im IJSPP (2019) zeigte: Power Output kann sich zwischen Indoor- und Outdoor-Time-Trials unterscheiden (u.a. Variabilität/Pacing-Aspekte).

Eine neuere PLOS-One-Studie (2024) berichtet zudem, dass bei vergleichbaren Time-Trial-Protokollen die wahrgenommene Anstrengung (RPE) im Feld niedriger sein kann als im Labor/Indoor-Setup.


Coach-Übersetzung:

  • Indoor ist oft konstanter, “sauberer”, aber auch mentaler zäher.

  • Outdoor liefert “Mikroerholungen” (Kurven, Rollen, Variabilität) – und oft bessere Stimmung.


b) Hitze & Cooling: Indoor braucht System 🧊

Die Physiologie ist klar: Hitze = höherer Stress, mehr Drift, früheres Limit. Gegenmaßnahmen (Cooling/Belüftung etc.) sind wissenschaftlich gut begründet.


Praktisch (Indoor Must-haves):

  • Großer Ventilator frontal + ggf. seitlich

  • Getränke-Plan (auch bei 60–90 min!)

  • Handtuch, leichte Kleidung

  • Realistische Raumtemperatur


2) ERG-Mode: genial – aber nicht immer 🧠⚡

ERG-Mode bedeutet: Der Trainer hält die Zielwattzahl konstant, egal welche Kadenz du fährst (innerhalb Grenzen). Das kann Training extrem präzise machen. Aber:

  • Du lernst weniger, Leistung selbst zu “halten” (Pacing)

  • Es kann ein unnatürlich konstantes Trittgefühl erzeugen

  • Bei Müdigkeit kann ERG dich “festnageln” (Kadenz drop → Widerstand hoch → 💥)


Wann ERG super ist:

  • Schwelle / Sweet Spot / kontrollierte Intervalle

  • Reha/Return-to-Training

  • Zeitknappheit & maximale Reproduzierbarkeit


Wann ich bewusst rausgehe aus ERG:

  • Renn-/TT-Pacing lernen

  • VO₂-Intervalle, die Variabilität brauchen

  • Alle, die outdoor “verkrampfen”, weil ihnen self-paced fehlt


3) Smarttrainer/Indoor vs. Draußenrad: Was ändert sich physiologisch, neural und biomechanisch? 🚴‍♂️🏠 vs 🚴‍♀️🌍


A) Der größte Gamechanger: Thermoregulation 🔥

Indoor ist häufig ein „Wärme-Stress-Test“ – selbst bei moderaten Watt. Das verändert:

  • Herzfrequenz (Cardiac Drift)

  • subjektive Belastung (RPE)

  • Hydration/Elektrolyte

  • Leistungsabfall über Zeit


In der Indoor-Cycling-Literatur wird thermische Belastung als zentraler limitierender Faktor betont – inkl. Bedeutung von Kühlstrategien. Ein Fan kann submaximale Kapazität/Belastbarkeit im Indoor-Setting verbessern.


Praktisch:

Indoor ohne starken Ventilator = anderes Training als „gleiche Watt draußen“. Für Z2/LIT unbedingt: Ventilator + genug trinken + Raum nicht überheizen.


B) „Bike ist fixiert“: biomechanische Konsequenzen 🧱

Draußen bewegt sich das Rad minimal unter dir (Mikro-Sway), du entlastest Druckpunkte über:

  • Kurven, Wiegetritt, Bremsen, kleine Pausen

  • wechselnde Trittfrequenz, wechselnde Tretmomente

  • Handling: Oberkörper arbeitet „mit“

Indoor am fixierten Trainer ist alles „linear“:

➡️ mehr statische Belastung auf Sitz/Lenker, weniger natürliche Positionswechsel, potenziell mehr lokale Beschwerden.

Eine Arbeit zu Sitzpositionen zeigt, dass „Discomfort“ mit biomechanischen Parametern wie Muskelaktivierung, Pedalkräften und Sitzdruckprofilen zusammenhängt.


Praktische Gegenmaßnahmen:

  • alle 5–10 min mini-Positionswechsel (Griffe, Becken kippen, kurz aus dem Sattel)

  • Steh-„Microbreaks“ (10–20 s) auch bei Z2

  • bei langen Indoor-Sessions: Rocker Plate/Beweglichkeitssystem kann Komfort und „Natural Feel“ verbessern (Praxis, auch wenn dazu weniger harte RCTs existieren)

  • Bike-Fit indoor separat prüfen (Sattelhöhe/Setback können sich „anders anfühlen“)


C) Neural/kognitiv: draußen ist „Open Skill“, indoor „Closed Skill“ 🧠

Draußen fährst du in einem offenen System: Verkehr, Kurven, Wind, „situational awareness“.

Das trainiert:

  • visuelle Verarbeitung

  • Reaktionsfähigkeit

  • Mikroentscheidungen („pacing in the wild“)


Indoor ist ein geschlossenes System: Du kannst Leistung extrem gut kontrollieren – aber es fehlt das „Chaos“, das echte Rennen ausmacht.

Auch bei allgemeinen Indoor-vs-Nature-Settings sieht man Unterschiede in Wahrnehmung/Leistungsgefühl und kognitiven Parametern zugunsten naturbasierter Settings. (Nicht cycling-spezifisch, aber für das Argument „Psyche/Perception“ relevant.)


4) ERG-Mode: Was bedeutet das physiologisch + biomechanisch? ⚙️

A) ERG macht Leistung „glatt“ – du verlierst natürliche Variabilität 📉

ERG hält Watt konstant, indem der Trainer Widerstand nachregelt. Ergebnis:

  • weniger Power-„Spikes“, weniger Mikro-Erholung

  • oft weniger natürliche Kadenz-Variabilität (je nach Fahrstil)

  • du „musst“ treten – kein Freewheeling, keine kurzen Rollenpausen

Trainingstechnisch ist das super für kontrollierte Schwellen- oder Sweetspot-Arbeit, weil du wirklich im Zielbereich bleibst.


B) „Spiral of death“ ist eine echte neuromuskuläre Falle 🌀

Wenn Kadenz fällt, erhöht ERG den Widerstand, um Watt zu halten → noch schwerer → Kadenz fällt weiter. Das ist kein „Fehler“, sondern ein Mechanismus.


Praktisch:

  • bei VO2max/anaeroben Intervallen: ERG oft nicht ideal (viele Plattformen empfehlen selbst, Tests/All-out nicht in ERG zu fahren).

  • für Race-Simulation, Sprints, Attacken: besser Resistance/Standard statt ERG


C) Biomechanik: ERG kann „Torque-lastig“ werden 🔩

Wenn Athlet:innen im ERG bei niedriger Kadenz fahren, steigt pro Pedalumdrehung das erforderliche Drehmoment. Das kann:

  • Knie-/Hüftbelastung gefühlt erhöhen

  • zu „dieseligem Treten“ führen (wenn nicht gewollt)

  • muskulär anders fordern als draußen, wo man automatisch „ausweicht“ (Gangwechsel, Positionswechsel, Topografie)


Coach-Tipp: ERG ja – aber Kadenz bewusst steuern (z. B. 88–95 rpm für viele). Und gezielt auch Einheiten ohne ERG einbauen, damit Pacing & Handling nicht „verkümmern“.


Abbildung: ERG-Mode vs. "frei fahren", eigene Darstellung
Abbildung: ERG-Mode vs. "frei fahren", eigene Darstellung

Teil 3: Sportart-spezifisch gedacht 🧩


Triathlon (Sprint bis Langdistanz) 🏊‍♂️🚴‍♂️🏃‍♂️

  • Sprint/Olympisch: Qualität zählt → Indoor perfekt für Schwelle/VO₂ (kurze Slots).

  • Mitteldistanz/Langdistanz: Long rides & Race-Pacing profitieren von Outdoor – Indoor aber top für kontrollierte Aeroposition + konstante Leistung.

ERG-Strategie:

  • Basis/Tempo/Schwelle: teils ERG ✅

  • Race-Pacing (Aero, Variabilität): eher Slope/Resistance ✅


Radsport (Straße, Gravel, Zeitfahren)

  • Zeitfahren: Indoor kann Aero-Pacing brutal gut trainieren – aber draußen brauchst du Wind-/Handling-Erfahrung.

  • Gravel: Technik/Untergrund = draußen. Indoor = Engine-Building.


Lauf (5k–Marathon)

  • 5k/10k: Band für präzise VO₂/Schwelle, draußen für Race-Feeling.

  • Marathon: Band super für kontrollierte M-Pace-Blöcke – aber lange Läufe draußen (so oft wie möglich).


Trail/Ultratrail ⛰️

  • Band ist stark für Steigungsarbeit (Power-Hike, Uphill-Z2/Z3), aber ersetzt nicht:

    • Downhill-Exzentrik

    • technische Fußarbeit

    • mentale “Real-Trail”-Belastung



Teil 4: Alter & Geschlecht – was ist besonders zu beachten? 👥

  • Ältere Athlet:innen reagieren im Schnitt empfindlicher auf Hitzestress/Drift → Indoor braucht Cooling & konservativeres Pacing (Übersichtsarbeiten zur Thermoregulation/Heat).

  • Geschlecht: Thermoregulation und Heat-Adaption können sich unterscheiden – wichtige Botschaft: nicht blind “One-size-fits-all” bei Indoor-Hitzeprotokollen.


Coach-Praxisregel:Indoor-Qualität ist gut – aber: wenn HR driftet wie verrückt oder RPE entgleist, stimmt Setup/Erholung/Belüftung nicht.



Teil 5: Konkrete Umsetzung – Beispielwochen 🗓️

(jeweils “Indoor-lastig” möglich, aber mit gezielten Outdoor-Reizen)


Anfänger: 6–8 h/Woche

Ziel: Routine + saubere Intensitätssteuerung

  • Rad (Indoor): 45–60’ Z2 + 4×4’ “moderat hart” (kein All-out)

  • Lauf (Band): 30–45’ locker + 6×10 s Strides (Band oder draußen)

  • Outdoor optional: 1 lockerer Lauf / Ride am Wochenende


Amateur: 8–12(15) h/Woche

Ziel: Qualität + Spezifität

  • Di: Smarttrainer Slope: 3×12’ Schwelle (self-paced)

  • Do: Laufband: 6×3’ @ 10k-Feeling (kontrolliert)

  • Sa: Outdoor Long Ride (Skills + mentale Frische)

  • So: Outdoor Run easy / Trail easy


Profi: 15–25 h/Woche

Ziel: Präzision + Transfer

  • Indoor-Blöcke für kontrollierte Reize (Schwelle/Sweet Spot)

  • Outdoor für Spezifität, Skills, Taktik, Race-Variabilität

  • Band gezielt (Steigung, Monitoring, Wetter/Travel)



Entscheidungsbaum 1: Laufband vs. draußen laufen 🏃‍♀️🌲🏃‍♂️🏠

Schritt 1 – Was ist dein Hauptziel in den nächsten 2–6 Wochen? 🎯


A) Gesund bleiben / Wiedereinstieg / Verletzungsrisiko minimieren

➡️ Primär Laufband, wenn…

  • du bei Nässe/Kälte verkrampfst oder sturzgefährdet bist

  • du gerade von Pause/Verletzung kommst

  • du HR/Pace sehr kontrolliert halten willst

    ✅ Band-Plus: kontrollierbare Belastung, weniger externe Störungen


➡️ Primär draußen, wenn…

  • du “nur draußen” sauber auftreten kannst (Band fühlt sich „komisch“ an)

  • du unbedingt Untergrund-/Schuh-/Terrain-Anpassung brauchst (Trail, Wald, Schotter)

    ✅ Outdoor-Plus: Propriozeption, Untergrundrobustheit


Mini-Regel (Coach): Return-to-Run = 70–90% Band + 10–30% draußen (sehr locker), 2–4 Wochen lang.


B) Wettkampfleistung Straße (5k/10k/HM/M)

➡️ Entscheide nach Intervalltyp:

1) Schwelle / HM-Pace / Marathon-Pace

  • Band ist top, wenn du…

    • wenig Zeit hast

    • gleichmäßige Pace lernen willst

    • konstante mechanische Belastung brauchst

      ✅ Empfehlung: Band für die “Qualitätskerne”, draußen für den Longrun.


2) VO₂max / 5k-Pace / kurze Intervalle

  • Draußen ist meist besser, wenn du…

    • Race-Feeling, Kurven, Wind, “Push” trainieren willst

    • Pace über “Gefühl” und Schrittfrequenz steuerst

      ✅ Empfehlung: 1 Session/Woche draußen (oder Bahn) für „Real Speed“.


3) Longrun (HM/M)

  • Draußen bevorzugt, außer…

    • extreme Hitze/Eis/Glätte

    • du brauchst Verpflegungs-/Toiletten-Logistik

      ➡️ Dann Longrun auf Band ist ok – aber: alle 10–15 min kleine Variabilität (z.B. 30–60 s leicht schneller oder 0,5–1% wechseln).


C) Trail / Ultratrail

➡️ Die Frage ist nicht “Band ODER draußen”, sondern “WOZU Band?”


Band ist super für…

  • Uphill-Z2/Z3 (Steigung, Powerhike)

  • Zeitökonomie (wenn du sonst gar nicht trainieren würdest)

  • kontrollierte Belastungsdichte


Draußen ist Pflicht für…

  • Downhill-Robustheit (exzentrische Belastung)

  • Fußarbeit/Technik

  • mentale Belastung im Gelände


Coach-Regel Trail:

Wenn Trail-Wettkampf → mindestens 1 Einheit/Woche draußen mit Downhill-Kontakt (auch kurz reicht), sonst fehlt der Transfer.


Schritt 2 – Welche Constraints hast du heute? ⏱️🌧️👶

Wenn Zeitfenster < 60 min:➡️ Band gewinnt (Qualität + Planbarkeit)

Wenn Wetter/Untergrund unsicher (Glätte, Sturm, Dunkelheit):➡️ Band gewinnt (Sicherheit)

Wenn du mental “frisch werden” musst (Stress, Kopflast):➡️ Draußen gewinnt (mehr Abwechslung, oft niedrigere RPE)

Wenn du Verletzungs-/Überlastungszeichen hast:➡️ Band + kontrolliert + kürzer + sauber (keine „Ego-Pace“)


Schritt 3 – Feintuning nach Leistungslevel 👥

Anfänger 🟢

  • 2× Band + 1× draußen (locker) ist oft ideal

  • “Draußen” = Technik/Koordination, kein Kampf


Amateur 🟠

  • Band = Qualitätsanker unter der Woche

  • draußen = Longrun + 1 Technik-/Speedkontakt


Profi 🔴

  • Band = Monitoring/Präzision (z.B. Schwellenblöcke)

  • draußen = Spezifität (Wind, Kurven, Race)



Entscheidungsbaum 2: Smarttrainer vs. draußen Radfahren + ERG-Mode ⚙️🚴‍♂️🌬️

Schritt 1 – Was ist das Ziel deiner Einheit? 🎯


A) LIT / Grundlagenausdauer

➡️ Draußen, wenn…

  • du Zeit hast und sicher fahren kannst

  • du „mental auftanken“ willst

    ✅ Outdoor-LIT ist oft leichter durchzuhalten.


➡️ Indoor, wenn…

  • du nur 45–90 min Zeit hast

  • Wetter/Traffic riskant

  • du „Z2 wirklich Z2“ halten willst

    ✅ Indoor-LIT ist planbar – aber nur mit starker Kühlung.


Coach-Regel: Indoor-LIT ohne Ventilator wird schnell zu “verstecktem MIT” (Pulsdrift + Hitze).


B) Schwelle / Sweet Spot / Tempo

➡️ Indoor ist meist ideal, weil…

  • du Watt sauber triffst

  • Pausen exakt steuerst

  • keine Ampeln/Stopps


ERG: JA, wenn…

  • Ziel = präzise metabolische Belastung (konstant)

  • du dich gern „führen“ lässt

  • du mental nicht kämpfen willst


ERG: NEIN (oder nur teilweise), wenn…

  • du TT-Pacing lernen willst

  • du dich an “echtes Halten” gewöhnen willst

    ➡️ Dann lieber Resistance/Slope und Watt selbst stabilisieren.


C) VO₂max / Anaerob / Sprints

➡️ ERG meistens NEIN Warum?

  • ERG „bestraft“ Kadenzabfall → spiral of death

  • Sprints brauchen natürliche Beschleunigung & Variabilität


➡️ Indoor ja, aber in Resistance/Standard, wenn…

  • Wetter/Traffic gefährlich

  • du kurze, sehr harte Intervalle sicher machen willst


➡️ Outdoor ja, wenn…

  • du Rennrealität (Antritt, Attacke, Wind) trainieren willst

  • du Bike-Handling integrieren willst


D) Race-Spezifität (Straße/Gravel/TT/Triathlon)

➡️ Triathlon/TT:

  • Indoor: Aero-Position sauber halten (kontrolliert) ✅

  • Outdoor: Wind, Straßenbelag, Kurven, Verpflegung

    ERG: eher nur für Teile (z.B. 2×20’), aber 1 Einheit/Woche „self-paced“!

➡️ Gravel:

Outdoor ist für Skills Pflicht. Indoor baut den Motor.


Schritt 2 – Setup-Check (Indoor-Gatekeeper) 🧊🪭

Wenn du Indoor trainierst, prüfe zuerst:

  1. Ventilator? (groß, frontal)

  2. Getränkeplan? (auch bei 60–90 min)

  3. Position/Komfort?

  4. Bewegung? (alle 8–10 min Mini-Positionswechsel)


Wenn 1) fehlt:

➡️ Intensität um 5–10% konservativer steuern oder Einheit kürzen.


Schritt 3 – Biomechanischer Gatekeeper: “Fix eingespannt” 🧱

Wenn du beim Indoorfahren bekommst:

  • Taubheit Hände/Füße

  • Sitzbeschwerden

  • Nacken/Schulter dicht

    ➡️ dann brauchst du mehr Bewegung, ggf. Fit-Check, evtl. Rocker/Unterlage.


Coach-Entscheid:

  • Schmerzen/Hotspots? → Outdooranteil erhöhen oder Indoor-Setup optimieren (nicht “durchbeißen”).



Entscheidungsbaum 3: „Welche Kombination ist optimal pro Woche?“ (Quick-Prescription) 🗓️


Wenn du 6–8 h/Woche hast (Anfänger/Busy Amateur)

  • 2× Indoor Qualität (Band/Trainer)

  • 1× Outdoor Technik/Realität

  • 1× längere Einheit am Wochenende (wenn möglich draußen)


Wenn du 8–12(15) h/Woche hast (typischer Amateur)

  • unter der Woche: Indoor als Qualitätsanker (2×)

  • Wochenende: Outdoor Long + 1 kurze “Spezifität”-Einheit

  • mindestens 1 Session/Woche ohne ERG (Rad) oder draußen (Lauf)


Wenn du 15–25 h/Woche hast (Pro)

  • Indoor: Messbarkeit, Präzision, Dichte

  • Outdoor: Spezifität, Skills, Race-Variabilität

  • Indoor ≠ Ersatz, sondern Werkzeug



Bonus: Mini-Entscheidung „Heute bin ich müde – was dann?“ 😴

Wenn Schlaf schlecht / Stress hoch / HRV niedrig / RPE ungewöhnlich hoch:


➡️ Training nicht streichen, sondern Format ändern:

  • Lauf: draußen locker ODER Band locker (kein Tempo)

  • Rad: Z2 Indoor mit Ventilator, kurze Mobility danach

  • kein ERG-Zwang, keine “Heldentaten”



Warum persönliches Coaching hier besonders viel bringt 🤝

Indoor vs. Outdoor ist nicht nur “Was ist besser?”, sondern:

  • Was ist dein Ziel (kurz/mittel/lang)?

  • Welche Reize fehlen dir gerade?

  • Wie reagierst du physiologisch und mental auf Indoor?

  • Wie passt das zu Job/Familie/Stress?

Genau diese individuelle Steuerung ist der Unterschied zwischen “Trainingsprogramm” und echtem Fortschritt ohne unnötige Überlastung. Wenn du willst, schauen wir uns das gemeinsam an – inkl. realistischer Wochenstruktur und smarter Mischung aus Indoor/Outdoor. --> aecoaching.at



Quellenverzeichnis (Auswahl, ≤10 Jahre) 📚

  • Fuller JT et al. A comparison of locomotor patterns in overground and treadmill running: a systematic review. Sports Medicine (2019). DOI: 10.1007/s40279-019-01237-z 

  • (Biomechanik 5-km Trial) Journal of Biomechanics (2024). DOI: 10.1016/j.jbiomech.2024.111889 

  • PLOS One (Treadmill gradient recommendations / energetics context) (2018). DOI: 10.1371/journal.pone.0204696 

  • The “1% rule” challenge (2024). DOI: 10.36950/2024.2ciss064 

  • Jeffries O et al. Variability in Power Output During Indoor and Outdoor Time Trials. Int J Sports Physiol Perform (2019). DOI: 10.1123/ijspp.2018-0539 

  • PLOS One (Field vs indoor/lab RPE in cycling TT context) (2024). DOI: 10.1371/journal.pone.0309100 

  • Périard JD et al. Exercise under heat stress: thermoregulation, hydration, performance implications, and mitigation strategies. Physiological Reviews (2021/2020). DOI: 10.1152/physrev.00038.2020 

  • Kenny GP & Jay O (u.a. Alter/Heat/thermoregulation – Überblick). J Sports Sci / Environ Res (2020–2021). (Übersichtsdaten)

  • Gagnon D & Kenny GP (Sex differences in thermoregulation – review). (2020).


 
 
 

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