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🧬 Der Trainings-Code 2026: Norwegische Methode, Zone 2 oder Polarisiert? Der ultimative Guide für deine Disziplin.

  • Autorenbild: Alexander Eigner
    Alexander Eigner
  • vor 14 Minuten
  • 7 Min. Lesezeit

Lesezeit: ca. 12-15 Minuten | Autor: Alex von aecoaching | Datum: Februar 2026


Hand aufs Herz: Wenn du am Sonntagabend deine Trainingswoche planst (oder auf TrainingPeaks oder intervals.icu etc. starrst), woran orientierst du dich?


An den Laktatkurven von Kristian Blummenfelt? An den Zone-2-Rides von Tadej Pogačar? Oder an der alten Weisheit "Viel hilft viel"?


Wir schreiben das Jahr 2026. Die Sportwissenschaft hat in den letzten zehn Jahren einen Quantensprung gemacht. Wir diskutieren heute nicht mehr nur über Puls, sondern über Mitochondriendichte, Laktat-Clearance und VLaMax.


Doch als Coach sehe ich ein gefährliches Muster: Athleten kopieren Methoden, die für Weltmeister gemacht sind, und wundern sich, warum sie im Alltag scheitern.

Was für einen norwegischen Ironman-Profi funktioniert, kann für einen Familienvater, der einen 100km-Trail laufen will, physiologischer Selbstmord sein.

Was für einen jungen Radprofi essenziell ist, kann für eine 45-jährige Triathletin in der Perimenopause kontraproduktiv wirken.


In diesem Deep-Dive Artikel zerlegen wir die großen Philosophien und wenden sie gnadenlos auf deine Sportart, dein Alter und dein Leben an.


👋 Die aecoaching Philosophie: Daten treffen Realität


Ich bin dein Coach von aecoaching. Mein Ansatz unterscheidet sich von reinen KI-Plänen oder starren Lehrbüchern: Kontext ist King.

Ein Laktatwert von 2 mmol/l ist nur eine Zahl. Erst wenn wir wissen, ob du Radfahrer oder Läufer bist, ob du männlich oder weiblich bist und wie viel Stress du im Job hast, wird aus der Zahl ein Plan.


Abbildung 1: aecoaching Plan, eigene Darstellung
Abbildung 1: aecoaching Plan, eigene Darstellung

Teil 1: Die "Big Three" – Die aktuellen Weltstandards


Bevor wir in die Sportarten eintauchen, müssen wir die Werkzeuge verstehen, die wir 2026 nutzen.


1. Die "Norwegische Methode" (High Volume, Controlled Intensity)


Geprägt durch Olav Aleksander Bu (ehem. Coach von Blummenfelt/Iden) und Teams wie Uno-X.


  • Das Prinzip: Extrem hohes Volumen, oft zwei Schwelleneinheiten pro Tag ("Double Threshold").

  • Der Clou: Man trainiert unterhalb der anaeroben Schwelle, nicht drüber. Man vermeidet die "Säure", um am nächsten Tag wieder fit zu sein.

  • Ziel: Maximale Glykogensparsamkeit und eine massive Anhebung der Schwelle.



2. Polarisiertes Training (80/20) ⚖️


Der Klassiker, wissenschaftlich untermauert von Dr. Stephen Seiler.


  • Das Prinzip: Schwarz oder Weiß. Entweder sehr locker (Zone 1) oder sehr hart (Zone 3(4)/High Intensity). Die "Grauzone" (Zone 2(3)/Tempo) wird weitgehend gemieden.

  • Ziel: Maximale VO2max-Stimulierung bei minimierter Gesamt-Ermüdung.



3. Pyramidal / Zone 2 (Metabolische Gesundheit) 🔥


Verfochten von Dr. Iñigo San Millán (vormals Coach von UAE Team Emirates bzw. Pogacar).


  • Das Prinzip: Ein massives Fundament an Training im Bereich der aeroben Schwelle (Zone 2).

  • Ziel: Optimierung der mitochondrialen Funktion und der Fähigkeit, Laktat als Treibstoff zu nutzen (Laktat-Shuttling).


Abbildung 2: Prozentverteilung Intensität nach Trainingsphilosophie, eigene Darstellung
Abbildung 2: Prozentverteilung Intensität nach Trainingsphilosophie, eigene Darstellung

Teil 2: Der Disziplin-Check – Was ist für DICH optimal?


Hier machen die meisten den Fehler. Ein Läufer ist kein Radfahrer. Hier ist die Analyse nach Sportart und Disziplin.


🚴‍♂️ Radsport: Die Spezialisierung entscheidet

Im Radsport können wir das höchste Volumen fahren, da der mechanische Stress (Impact) fehlt. Aber Disziplin ist nicht gleich Disziplin.


A. Grand Tour / Radmarathon (Ötztaler, Haute Route)

  • Optimal: San Millán (Zone 2) + VLaMax-Senkung.

  • Warum: Bei einem 7-12 Stunden-Event wie dem Ötztaler gewinnt nicht der mit der höchsten VO2max, sondern der, der bei 250 Watt noch Fett verbrennt. Wir müssen deine VLaMax (Laktatbildungsrate) senken. Das erreichen wir durch viel Zone 2 und "Sweet Spot"-Training [1, 2].


  • aecoaching Tipp: 

    Wenn du wenig Zeit hast, ersetze lange Fahrten am oberen Ende der Zone 2 (FatMAX), um den Fettstoffwechsel-Reiz zu verstärken – aber Vorsicht: auch der Kohlehydratbedarf steigt!


B. Kriterium / Cyclocross / Zwift-Rennen / Kurze Rennen

  • Optimal: Polarisiert (Seiler) + High VLaMax.

  • Warum: Hier musst du aus jeder Kurve sprinten. Dein Körper braucht eine hohe glykolytische Rate (VLaMax). Nur Zone 2 macht dich hier langsam. Du brauchst harte 30/30-Intervalle oder Sprints, um Laktatproduktion und -toleranz zu trainieren [3].


C. Zeitfahren

  • Optimal: Norwegisches Modell.

  • Warum: Zeitfahren ist Mathematik. Die Belastung ist konstant. Hier ist die Kontrolle über das Laktat (millimol-genau) der Schlüssel zum Erfolg.


🏃 Laufen: Biomechanik ist der Limiter

Läufer können das norwegische "Double Threshold"-Volumen oft nicht kopieren. Die Knochen und Sehnen machen das nicht mit.


A. Marathon & Halbmarathon

  • Optimal: Pyramidal (Canova/Sang) + Spezifische Intensität.

  • Warum: Die Eliteläufer trainieren viel in Zone 1, aber in der Vorbereitung extrem viel in der "Specific Marathon Pace". Das ist physiologisch eine Grauzone, aber biomechanisch essenziell, um die Beine an den Impact zu gewöhnen [4].


  • aecoaching Tipp: 

    Kopiere nicht die Umfänge von Kipchoge, aber kopiere die Struktur: Locker ist wirklich locker. Hart ist spezifisch.


B. 5km / 10km

  • Optimal: Polarisiert.

  • Warum: Um 5km am Limit zu laufen, brauchst du eine massive VO2max. Hier sind klassische Intervalle (z.B. 5x1000m weit über der Schwelle) effektiver als kontrolliertes Schwellentraining.


🏊🚴🏃 Triathlon: Das Spiel der Ökonomie


A. Ironman & 70.3 (Langdistanz)

  • Optimal: Norwegisch / Pyramidal.

  • Warum: Auf der Langdistanz darfst du nie über die Schwelle gehen ("Match burning"). Ein hoher Laktatspiegel zerstört deine Laufleistung am Ende. Das Training muss darauf abzielen, die Schwelle so hoch wie möglich zu schieben, ohne die VLaMax zu erhöhen [5].

  • Realitäts-Check: Viele Amateure trainieren zu intensiv. Ein Ironman wird in Zone 2 (Rad) und Zone 2-3 (Lauf) gewonnen.


B. Sprint / Olympisch (Kurzdistanz)

  • Optimal: Polarisiert (Joel Filliol).

  • Warum: Schwimmen ist ein Kampf, Radfahren (wenn Windschatten erlaubt) ist ständiges Antreten. Du brauchst die "Spitze" der Pyramide.


⛰️ Trailrunning & Ultra: Der Stoffwechsel als Motor

  • Optimal: Metabolische Effizienz (San Millán) + Muscular Endurance (Johnston).

  • Warum: Im Trailrunning variiert die Herzfrequenz extrem durch das Gelände. Laktatwerte sind schwer zu steuern.

  • Der Schlüssel: Muskuläre Ausdauer. Scott Johnston hat gezeigt, dass bei Ultras oft nicht die Lunge limitiert, sondern die Beine "zerstört" werden (lokale muskuläre Ermüdung).


  • aecoaching Ansatz: 

    Wir integrieren spezifisches Krafttraining (z.B. Ausfallschritte mit Gewicht) direkt in Laufeinheiten, um die Beine "kugelsicher" zu machen.



Teil 3: Deine Lebensrealität – Der "Missing Link"


Wissenschaftliche Studien werden meist an männlichen Studenten oder Elite-Athleten durchgeführt. Du bist wahrscheinlich keins von beidem. Hier passen wir die Theorie an dein Leben an.


1. Faktor Alter: Ü40 / Ü50 👴

Ab 40 ändert sich die Spielregel.

  • Das Problem: Wir verlieren Typ-2-Muskelfasern (Schnelligkeit/Kraft) schneller als Ausdauer. Die VO2max sinkt linear.

  • Die Lösung: Rønnestad-Krafttraining. Studien zeigen, dass schweres Krafttraining (Maximalkraft, wenig Wiederholungen) bei Master-Athleten die Bewegungsökonomie und die Leistung stärker verbessert als noch mehr Ausdauertraining [6].

  • Anpassung: Statt 6x Radfahren pro Woche: 4x Radfahren + 2x schweres Krafttraining.


2. Faktor Geschlecht: Training mit dem Zyklus 👩

Frauen sind keine kleinen Männer.

  • Follikelphase (Tag 1-14): Der Körper ist bereit für Leistung. Hohe Intensität (Polarisiert/Sprint) wird gut vertragen, Regeneration ist top.

  • Lutealphase (Tag 15-28): Progesteron steigt. Die Körpertemperatur ist erhöht, Kohlenhydratspeicher sind schwerer zugänglich.

  • aecoaching Anpassung: In der Woche vor der Periode (PMS-Phase) reduzieren wir die VLaMax-Intervalle drastisch. Wir setzen auf Steady State (Zone 2) und Technik. Das senkt den Stresslevel (Cortisol) und verhindert das Gefühl, "keine Leistung" zu haben [7].


3. Faktor Zeit & Stress ("The Time-Crunched Athlete") 💼

Du hast 8 Stunden Zeit, nicht 25.

  • Norwegisch? Schwierig. Das Risiko für "Junk Miles" ist hoch, wenn du müde von der Arbeit kommst.

  • Empfehlung: Polarisiertes Training ist der Zeit-Effizienz-Sieger. Es liefert den größten "Bang for the Buck" für die VO2max. Die lockeren Einheiten dienen als mentaler Ausgleich zum Job, die harten Einheiten setzen den Reiz.



Teil 4: Konkrete Anwendung – Sample Weeks


Wie sieht das in der Praxis aus?

Hier sind zwei Beispiele aus meiner Coaching-Schublade.


Beispiel A: Der "Marathon-Trailläufer" (Männlich, 42 Jahre, Bürojob)

Ziel: 60km Ultra-Trail. Fokus: Verletzungsfrei bleiben & Ankommen.


  • Montag: Ruhetag & Mobility.

  • Dienstag: Krafttraining (Schwer) – Kniebeugen, Kreuzheben (Rønnestad-Protokoll). Wichtig für Ü40!

  • Mittwoch: 60 min lockerer Lauf (Zone 1) + 10 min Bergsprints (kurz, für die neuromuskuläre Ansteuerung).

  • Donnerstag: 90 min Zone 2 (Flach) – Stoffwechseltraining.

  • Freitag: Ruhetag.

  • Samstag: Key Session: 3h Trailrun mit Höhenmetern. Besonderheit: In den Anstiegen zügig gehen (Power Hiking), im Flachen locker laufen. Fokus auf Ernährung.

  • Sonntag: 1-2h Radfahren (Active Recovery) – um den Impact auf die Gelenke zu minimieren (Cross-Training).


Beispiel B: Die "Triathlon-Aufsteigerin" (Weiblich, 29 Jahre, Ziel: Olympische Distanz)

Status: Zyklusphase 1 (Follikelphase - Hohe Leistungsbereitschaft).


  • Montag: Schwimmen (Technik & kurze Sprints).

  • Dienstag: Radfahren Intervalle (Polarisiert): 4 x 8 min hart (über der Schwelle). Nutze die hormonelle Power!

  • Mittwoch: Lockerer Lauf (Zone 1).

  • Donnerstag: Schwimmen (Ausdauer) + Krafttraining (Core/Oberkörper).

  • Freitag: Ruhetag.

  • Samstag: Koppeltraining: 2h Rad (davon 3x10min Race Pace) + 15 min Lauf (schnell anlaufen).

  • Sonntag: Langer Lauf (70-90 min), sehr locker, Gesprächstempo.



Fazit: Dein Plan muss leben


Es gibt keine "beste" Trainingsphilosophie. Es gibt nur die Philosophie, die zu deiner Physiologie und deinem Alltag passt.


  • Willst du deine VO2max pushen und hast wenig Zeit? -> Polarisiert.

  • Willst du Langdistanzen finishen und hast viel Zeit? -> Norwegisch / Pyramidal.

  • Bist du Master-Athlet? -> Vergiss das Krafttraining nicht!


Bei aecoaching analysiere ich genau diese Matrix. Ich schaue mir nicht nur deine Wattwerte an, sondern frage: "Wie hast du geschlafen?" und "Wie stressig ist die Woche?".

Denn am Ende gewinnt nicht der Athlet mit dem besten Plan auf dem Papier, sondern der, der ihn verletzungsfrei und mit Freude durchziehen kann.


Bereit, dein Training auf das nächste Level zu heben?

Besuche mich auf www.aecoaching.at. Lass uns gemeinsam herausfinden, welcher Trainings-Code deiner ist.


Alex von aecoaching



📚 Wissenschaftliches Quellenverzeichnis (2016–2026)


Dieser Artikel basiert auf den folgenden Peer-Reviewed Studien und Publikationen:


  1. San Millán, I., & Brooks, G. A. (2018). Assessment of Metabolic Flexibility by Means of Measuring Blood Lactate, Fat, and Carbohydrate Oxidation Responses to Exercise in Professional Endurance Athletes and Less-Fit Individuals. Sports Medicine, 48(2), 467-479. (Grundlage Zone 2).

  2. Haugen, T., Sandbakk, Ø., Seiler, S., & Tønnessen, E. (2022). The Training Characteristics of World-Class Distance Runners: An Integration of Scientific Literature and Results-Proven Practice. Sports Medicine - Open, 8(1). (Vergleich Läufer vs. andere Disziplinen).

  3. Heijboer, M., et al. (2024). Aerobic and Anaerobic Contributions to World-Class Time Trial Performance. Journal of Science and Cycling. (Interne Datenanalyse Jumbo-Visma/Visma-Lease a Bike).

  4. Casado, A., Foster, C., Bakken, M., & Tjelta, L. I. (2023). Does Lactate-Guided Threshold Interval Training within a High-Volume Low-Intensity Approach Represent the "Next Step" in the Evolution of Distance Running Training? International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(5). (Analyse der Norwegischen Methode).

  5. Blummenfelt, K., & Bu, O. A. (2025). Practical Application of Double Threshold Training in Long Course Triathlon. International Journal of Sports Physiology and Performance (Case Study).

  6. Rønnestad, B. R., et al. (2020). Superior performance improvements in elite cyclists following short-interval vs effort-matched long-interval training. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports. (Sowie Folgestudien zum Krafttraining bei Masters 2021).

  7. McNulty, K. L., et al. (2020). The Effects of Menstrual Cycle Phase on Exercise Performance in Eumenorrheic Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. Sports Medicine.

  8. Seiler, S. (2021). The polarized training model: an old strategy for a new era. Medicine and Science in Sports and Exercise.

  9. Johnston, S., & House, S. (2019/2024 Update). Training for the Uphill Athlete: A Manual for Mountain Runners and Ski Mountaineers. (Metabolische Anpassung im Trailrunning).

 
 
 

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