Durability im Nachwuchs-Radsport 🚴♂️
- Alexander Eigner
- vor 23 Stunden
- 8 Min. Lesezeit
Was eine neue Studie über Talent, Ermüdungsresistenz und die Praxis für Junioren, Age-Grouper, Gravel, Radmarathon, Triathlon und Trailrunning verrät
Du kennst das vielleicht: Zwei Athlet:innen wirken am Anfang einer Einheit oder eines Rennens ähnlich stark. Gleiche Schwellenwerte, ähnliche VO₂max, ähnliche 5- oder 20-Minuten-Leistung. Aber nach zwei, drei oder vier Stunden sieht das Bild plötzlich ganz anders aus. Eine Person kann ihr Niveau noch erstaunlich gut halten. Die andere „macht zu“, verliert Druck aufs Pedal oder fällt im Laufstil sichtbar auseinander.
Genau dort beginnt das Thema Durability.

Auf aecoaching.at wurde Durability bereits treffend als Fähigkeit beschrieben, Leistung trotz zunehmender Ermüdung aufrechtzuerhalten – also gewissermaßen als „vierte Dimension“ der Ausdauerleistung neben VO₂max, prozentual nutzbarer VO₂max und Ökonomie.
Eine ganz aktuelle Studie aus 2026 bringt jetzt besonders spannende Daten für den Nachwuchs-Radsport: Bei männlichen Junioren zeigten internationale Topfahrer nicht nur höhere frische Leistungswerte, sondern auch eine deutlich bessere Fähigkeit, Leistung unter Vorermüdung zu erhalten. Genau das macht die Studie so relevant – nicht nur für junge Kaderfahrer, sondern auch für ambitionierte Amateure, Radmarathonfahrer, Gravelracer sowie Triathlet:innen und Trailrunner:innen.
Was hat die neue Studie untersucht?
Die Arbeit „Performance and durability profiles in junior cyclists: insights for talent identification“ verglich 46 männliche Juniorenradfahrer über eine Saison hinweg. Unterschieden wurden ein internationales Leistungsniveau (Top-30 weltweit) und ein hohes nationales Niveau.
Analysiert wurden unter anderem Critical Power (CP), maximale aerobe Leistung (MAP), maximale Leistungen über verschiedene Dauern (MMP) und vor allem der prozentuale Leistungsabfall zwischen frischem und ermüdetem Zustand.
Das Ergebnis war ziemlich klar: Die international erfolgreiche Gruppe zeigte höhere frische Werte bei CP, MAP und 5-Sekunden-Leistung. Noch spannender war aber, dass sie nach hoher Vorbelastung deutlich weniger einbrach. Bei einer Belastung von etwa 38,5 kJ/kg lag der Leistungsabfall bei 5 Sekunden in der internationalen Gruppe bei rund −7,97 %, in der nationalen Gruppe dagegen bei −30,04 %.
Die Autor:innen leiten daraus ab, dass Durability ein entscheidender Faktor für Talentidentifikation und Trainingssteuerung im Nachwuchs sein kann.
Coach Insight – Alexander Eigner:
Im Coaching ist das Gold wert. Denn gerade im Juniorenbereich wird Talent oft zu stark über „frische“ Tests gedacht: VO₂max, Diagnostik, Rampentest, frische 5-min-Werte. Alles wichtig — aber nicht ausreichend. Wer später Rennen gewinnen will, muss nicht nur stark sein. Er oder sie muss unter Ermüdung stark bleiben.
Warum das Thema weit über den Nachwuchs hinausgeht
Die Junioren-Studie ist kein Einzelfall. Bereits frühere Arbeiten haben gezeigt, dass Durability ein eigenständiger Leistungsfaktor ist. Ed Maunder und Kolleg:innen argumentierten schon 2021, dass klassische Leistungsdiagnostik fast immer im frischen Zustand stattfindet, obwohl viele relevante Leistungsparameter während längerer Belastung deutlich absinken können. Sie schlugen deshalb vor, Durability stärker als eigenständige Dimension des Ausdauerprofils zu betrachten.
Auch neuere Arbeiten mit Amateur- und Profiradsportlern stützen das: Eine Studie an gut trainierten Amateurfahrern zeigte, dass Durability nicht sauber durch klassische Variablen wie VO₂max, Trainingsalter, Trainingsumfang oder Alter erklärbar ist. Anders gesagt: Du kannst einen guten Motor haben und trotzdem im letzten Renndrittel deutlich abbauen.
In einer weiteren Studie mit ambitionierten Age-Group-Cyclists war der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Fahrern im ermüdeten Zustand ebenfalls deutlich: Beim 20-Minuten-Test nach Vorbelastung verloren erfolgreiche Athleten im Schnitt nur 6,5 %, weniger erfolgreiche dagegen 12,5 % Leistung.
Was bedeutet das für junge Radsportler? 🧒🚴
Für junge Fahrer:innen ist die wichtigste Botschaft: Nicht jede frühe Dominanz im frischen Zustand ist automatisch ein Zeichen für langfristiges Top-Niveau. Die neue Studie deutet darauf hin, dass besonders die Kombination aus guter Aerobic, solider anaerober Qualität und geringerem Leistungsabfall unter Ermüdung entscheidend ist.
Das heißt in der Praxis aber nicht, dass Jugendliche möglichst früh mit brutalen Ermüdungsprotokollen „abgehärtet“ werden sollten.
Im Gegenteil. Im Nachwuchsbereich braucht es ein sensibles Vorgehen: technische Entwicklung, robuste aerobe Basis, Rennverständnis, Ernährungskompetenz, Regeneration und eine alltagsverträgliche Progression.
Durability ist eher ein Hinweis darauf, wie belastbar das Gesamtsystem eines jungen Athleten schon ist – nicht bloß darauf, wie hart er sich quälen kann. Das passt auch zur holistischen Ausrichtung von aecoaching, wo Training nie losgelöst von Regeneration, Alltag und mentaler Stabilität betrachtet wird.
Coach Insight – Alexander Eigner:
Bei Junioren würde ich Durability nicht als „noch mehr Umfang“ missverstehen. Häufig geht es zuerst um saubere Grundlagen: regelmäßig essen, im Training nicht permanent überziehen, Rennen taktisch klüger fahren, längere Belastungen technisch sauber überstehen und lernen, auch nach 2–3 Stunden noch konzentriert zu arbeiten.

Und was heißt das für ältere Radsportler, Gravelracer und Radmarathonfahrer?
Sehr viel. Vielleicht sogar noch mehr als für Junioren.
Denn im Amateurbereich werden Rennen und Events oft genau dort entschieden, wo klassische Diagnostik allein nicht mehr reicht: nach mehreren Stunden, nach Energieverlusten, nach Positionskämpfen, nach Wind, Anstiegen, Verpflegungsfehlern und mentalem Abrieb.
Für Radmarathonfahrer und Gravelracer bedeutet gute Durability vor allem:
weniger Leistungseinbruch nach 3–5 Stunden
stabilere Schwellen- oder Tempoarbeit unter Vorermüdung
bessere Fueling-Toleranz und metabolische Stabilität
weniger taktische Fehlentscheidungen, weil das Gehirn „oben bleibt“
geringeres Risiko, am Ende komplett zu implodieren
Die Studienlage passt genau dazu: In Elite- und Profifahrern sinken selbst mit hoher Kohlenhydratzufuhr Leistungen nach längerer Belastung deutlich. In einer 2024 publizierten Arbeit mit Elite-/Profiradsportlern reduzierten sich nach 4 Stunden intermittierender Belastung sowohl Sprintspitze als auch 6-Minuten-Leistung; frische Laborwerte sagten diesen Einbruch nur begrenzt voraus.
Das ist ein wichtiger Reality-Check für ambitionierte Amateure: Ein hoher FTP-Wert ist nützlich. Aber wenn du nach 2.500–3.000 kJ, bei Hitze oder nach Ernährungsfehlern massiv abbaust, dann entscheidet nicht dein frischer Test, sondern deine Durability.
Was Triathlet:innen daraus lernen können 🏊🚴🏃
Triathlon ist im Grunde eine Durability-Sportart.
Nicht nur, weil die Belastung lang ist. Sondern weil die Leistung disziplinübergreifend erhalten werden muss. Besonders auf der Mittel- und Langdistanz ist die Frage nicht nur: „Wie stark ist dein Radsplit?“ Sondern: „Was kostet dich dein Radsplit für den Run?“
Eine aktuelle Arbeit zu Jugend-Triathlet:innen beschreibt genau diesen Gedanken: Nach einer intensiven Radbelastung verändern sich Laufökonomie bzw. Energiekosten des Laufens und damit auch die ermüdete Laufleistung. Das ist gerade für ambitionierte Triathlet:innen hochrelevant, weil ein scheinbar „guter“ Radpart den Lauf ruinieren kann.
Für Mittel- und Langdistanz-Athlet:innen heißt das:
Bike-Pacing ist nicht nur ein Watt-Thema, sondern ein Durability-Thema
Fueling ist keine Nebensache, sondern Teil der Ermüdungsresistenz
Brick-Training ist sinnvoll, aber nur dann, wenn es gezielt eingesetzt wird
lange Einheiten sind wertvoll, wenn sie strukturiert und regenerierbar sind
Coach Insight – Alexander Eigner:
Viele Triathlet überschätzen die Aussagekraft frischer Radtests. Im Rennen zählt am Ende, ob du bei Kilometer 70, 120 oder 150 noch metabolisch sauber arbeitest — und ob du danach überhaupt noch ökonomisch laufen kannst.
Und Trailrunner oder Ultraläufer? 🏔️
Auch dort ist der Transfer logisch. Denn Durability ist nicht an das Fahrrad gebunden, sondern an die Fähigkeit, physiologische und biomechanische Qualität unter langer Belastung zu halten.
Eine 2024/2025 veröffentlichte Studie mit Freizeitläufer:innen zeigte, dass schon 90 Minuten lockeres die Geschwindigkeit an der ersten Laktatschwelle signifikant verschieben können. Der Leistungsabfall war bei Frauen und Männern ähnlich groß. Gleichzeitig korrelierte ein Marker aus der Herzfrequenzvariabilität (DFA-a1) mit der intra-sessionalen Ermüdung.
Für Trail- und Ultraläufer:innen heißt das praktisch:
selbst „lockere“ lange Läufe erzeugen relevante Ermüdung
Durability ist nicht nur Pace-Halten, sondern auch Technik-Halten
bergauf, bergab und technisch schwierigem Terrain kommt zusätzliche Bedeutung zu
wer spät im Rennen noch ökonomisch läuft, spart muskulär und mental enorm viel
Eine weitere aktuelle Arbeit betont, dass solche Konzepte wie Durability, Fatigability, Repeatability und Resilience im Ausdauersport sauber unterschieden werden sollten – gerade in komplexen Disziplinen wie Ultra-Trail.
Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?
Die Datenlage wird besser, ist aber noch nicht vollständig.
Eine aktuelle feldbasierte Studie mit je 42 Profi-Radsportlerinnen und Profi-Radsportlern fand, dass bei beiden Geschlechtern nach mehr als 10 kJ/kg Vorarbeit ein klarer Leistungsabfall im Record Power Profile sichtbar wurde. Bei längeren Belastungsdauern ab 1 Minute war der relative Einbruch bei den Frauen im Datensatz größer. Die Autor:innen interpretieren das vorsichtig als Hinweis auf eine möglicherweise geringere Durability in diesem speziellen Profi-Kollektiv.
Wichtig: Das ist kein Argument für pauschale Schlüsse. Die Forschung dazu ist noch jung, sportartspezifisch und stark vom Testdesign abhängig. Für die Coachingpraxis ist die bessere Schlussfolgerung: Durability sollte individuell beobachtet und nicht mit Stereotypen erklärt werden.
Wie trainiert man Durability sinnvoll?
Die Wissenschaft sagt bisher ziemlich klar: Durability ist trainierbar, aber sie entsteht nicht automatisch nur aus mehr Training. Und sie ist nicht einfach aus VO₂max oder FTP ableitbar.
In der Praxis sind meistens diese Hebel entscheidend:
1. Große aerobe Basis
Regelmäßiges, gut verträgliches Grundlagentraining bleibt das Fundament.
2. Race-spezifische lange Belastungen
Nicht nur lang, sondern passend zur Zielanforderung: Radmarathon anders als Gravel, Mittelstrecke anders als Langdistanz, Trail 30 km anders als Ultra.
3. Qualität unter Vorermüdung
Gezielte Tempo-/Schwellenblöcke nach längerer Vorbelastung können sehr wirksam sein — aber nur dosiert und gut eingebettet.
4. Fueling trainieren
Wer Ernährung im Training nicht übt, wird im Wettkampf oft künstlich „undurable“.
5. Regeneration ernst nehmen
Schlaf, Stress, muskuläre Robustheit und psychische Stabilität entscheiden mit darüber, ob Anpassung entsteht oder bloß Müdigkeit akkumuliert.
6. Messen, was im ermüdeten Zustand passiert
Nicht nur frische Tests. Auch Vergleiche „frisch vs. vorermüdet“ liefern oft die spannendere Wahrheit.
Coach Insight – Alexander Eigner:
Ein häufiger Fehler bei ambitionierten Athlet:innen: Sie wollen Durability trainieren und machen daraus einfach „mehr Stunden“. Das Problem ist: Mehr ist nur dann besser, wenn der Reiz verkraftet, ernährt und sauber integriert wird. Sonst trainierst du nicht Durability, sondern chronische Müdigkeit.
Was ich daraus für aecoaching ableite
Die neue Junioren-Studie bestätigt etwas, das in der Praxis oft übersehen wird: Leistungsfähigkeit ist nicht nur eine Frage des Niveaus, sondern auch der Stabilität dieses Niveaus unter Belastung.
Genau deshalb arbeite ich bei aecoaching nicht nur mit klassischen Leistungswerten, sondern immer mit dem Gesamtbild:
Wie verändert sich deine Leistung mit Dauer und Vorbelastung?
Wie gut passt Training zu deinem Alltag?
Wie stabil sind Ernährung, Regeneration und mentale Steuerung?
Wie gut hält dein System Druck aus — körperlich und psychisch?
Gerade für Athlet:innen im Radsport, Gravel, Triathlon, Lauf- und Trailbereich ist das oft der Unterschied zwischen „gut trainiert“ und wirklich wettkampfstark.
aecoaching verbindet dabei sportartspezifisches Know-how aus Radsport, Triathlon, Lauf und Trailrunning mit psychologischem Coaching, damit Leistung nicht nur aufgebaut, sondern auch unter realen Bedingungen getragen werden kann.
Und jetzt? 🚀
Wenn du im Radsport, Triathlon, Gravel, Lauf- oder Trailbereich trainierst und besser verstehen willst, wie belastbar dein System unter Ermüdung wirklich ist, dann ist ein persönlicher Blick von außen oft der schnellste Hebel.
Auf aecoaching.at bekommst du evidenzbasiertes Ausdauer-Coaching mit sportartspezifischer Präzision — plus psychologisches Coaching, damit dein Training nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch in deinem echten Alltag. Das virtuelle Beratungsgespräch ist dafür ein sehr guter Einstieg.
Literaturverzeichnis
Mateo-March, M. et al. (2026). Performance and durability profiles in junior cyclists: insights for talent identification. German Journal of Exercise and Sport Research. DOI: 10.1007/s12662-026-01095-8.
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